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Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 19:09
von Melli
Hallo Angie,

ich beziehe mich da auch eher auf Doro und dich und die "schämen" Aussage.
Die Apotheke sollte selbstverständlich Schweigepflicht haben, und ich habe selbst mal ein nicht neutrales Paket bekommen, das bei der Nachbarin landete. Fand ich absolut nicht witzig und habe meinem Versorger das auch gesagt, da er sonst immer neutrale Pakete schickte und schickt.
Dem nachgehen würde ich nicht, aber ich kann verstehen, dass man (so wie ich beim nicht-neutralen Paket) unhappy damit ist. Es handhabt es nun mal nicht jeder offen, das sollte auch bei Unverständnis in Ordnung sein. Ich habe auch Verständnis dafür, wenn man es jedem erzählt :D

Viele Grüße
Melli

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 19:10
von Merlina
Hallo Hauko, hallo Alle,

ich kann Deinen Ärger, Hauko, voll und ganz nachvollziehen!

Es geht bei diesem Thema nicht um
Monsti schreibt
Aber nun eine Apotheke zu verdächtigen, die im beschriebenen Notfall einspringen musste, sie könnte Nachrichten verbreiten, halte ich doch für übertrieben.

...und wenn
doro schreibt:
gemeinsam schämt es sich leichter :aah: :D als wenn wir sonst keine Sorgen hätten :ichKannsNichtGlauben:

...empfinde ich das wirklich als unangemessen!

Es geht darum, dass Hauko mit dem Versorger einen Vertrag hat, und dass dieser, wenn er ein anderes Unternehmen einbeziehen will, Haukos Daten transferiert.
Dafür sollte Haukos Einverständniserklärung eingeholt werden! Das ist m.E. selbstverständlich.
Es wäre zudem einfach gewesen und hätte mit entsprechender Aktennotiz vermutlich ausgereicht, wenn man Haukos Einwilligung telefonisch eingeholt hätte, zusammen mit einer Entschuldigung wegen des Fehlers.

Leider ist die Sensibilität für solche Fragen häufig nicht da, und je mehr Abläufe standardisiert werden, desto weniger denken Menschen mit.
Mit Facebook und WhatsApp hat kaum jemand ein Problem, aber die Geschehnisse der letzten Zeit haben gezeigt, dass wir uns alle sehr wohl mit solchen Fragen wir Datensicherheit, digitales Testament, oder welche Fotos schicke ich von anderen Personen (meist ja ohne sie zu fragen) einfach durchs Netz, befassen sollten!

Und
Monsti schreibt
Es wäre etwas völlig anderes, hätte der Versorger ein Paket mit eindeutiger Aufschrift "Stomaversorgung" an Hauko geschickt.

...das ist mir in ähnlicher Weise passiert!
Ich habe eine Zeitlang Pakete bekommen, auf denen der Absender sich mit vollem Logo und sämtlichen Untertiteln zu erkennen gab. Es kam u.a. der Begriff „Hilfsmittel Inkontinenz“ vor.

Nicht nur der Postbote, sondern auch die netten Nachbarn, die regelmäßig meine Pakete entgegennahmen, waren sicher neugierig und irritiert. Und obwohl ich umgehend um neutralen Versand bat, fielen die Daten immer wieder heraus, und ich bekam erneut diese eindeutigen Pakete.

Ich gehe auch mit meinem Stoma sehr offen um, dusche mit wildfremden Menschen, und wer danach fragt, dem erkläre oder zeigen ich (fast) alles.
Aber ich erwarte dass man mich fragt, wenn man anderen Menschen persönliche Dinge über mich erzählt, oder an andere meine Telefonnummer weitergibt, auch im privaten Bereich.
Und ich erwarte, dass ein Unternehmen mit dem ich zusammenarbeite meine Daten zu 100% schützt, und mein Einverständnis einholt, bevor es sie weitergibt.

Der Spruch „wieso, ich habe doch nichts zu verbergen“ hat dabei einen ellenlangen Bart, und ist im digitalen Zeitalter absolut zu kurz gedacht, wenn nicht sogar blauäugig.

LG, Merlina

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 19:43
von Monsti
Hallo Merlina,

klar, ich verstehe schon, was Du im Kern meinst.

Nicht nur der Postbote, sondern auch die netten Nachbarn, die regelmäßig meine Pakete entgegennahmen, waren sicher neugierig und irritiert.


Öhm, liest Du etwa den Absender, wenn Du selbst ein Paket für Nachbarn erhältst? Ich nie. Mich interessiert nur, wem ich das Paket abzuliefern habe. Okay, zugegeben, ich gehöre nicht zur neugierigen Sorte Mensch. Es mag natürlich andere geben.

Dass aber Stomaversorgungen mit eindeutigen Aufschriften versandt werden, ist mir total neu. Ich habe mein Stoma seit 15 Jahren, aber derartiges ist mir wirklich noch nie passiert. Ja, auf dem Absender-Aufkleber steht "Publicare", mehr aber nicht. Woher soll der Postbote also wissen, was mir da geschickt wurde?

LG Angie

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BeitragVerfasst: 13.01.2019, 20:01
von Trudi
Sowas ist mir in 5 Jahren Stoma auch noch nie passiert.
Nur der UPSbote hat mal ein ziemlich großes PublicarePackerl vor meiner Haustüre geparkt und das hat ein netter Mitmensch sehr gut brauchen können und es kurzerhand gekrampfelt. Vermutlich dachte er, da wär was Wertvolles drin. 8-) 8-) 8-)
Die Augen hätt ich sehen mögen! :aah: :aah: :aah:

Aber ich finde auch, dass ich selber sagen möchte, dass ich den Franzi hab, das geht ratsch-und-tratschmäßig keinen was an. So wissen zwar viele meiner Kollegen davon, Eltern und Schüler aber nicht. Die wissen nur vom Krebs und das ist genug!

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 20:03
von Webkänguru
Hallo,

ich sehe es auch so, bevor persönliche Daten weitergegeben werden sollte der Versorger immer das Einverständnis einholen. Es geht hier um eine persönliche Entscheidung, wer von meiner Behinderung erfahren soll und wer nicht. Diese Entscheidung wurde Hauko einfach so weggenommen und das ist nicht ok.

Ich selbst gehe sehr offen mit meinem Stoma um und viele Menschen wissen es natürlich, auch wegen meiner Netz-Öffentlichkeit. Ich hatte dabei noch keine negativen Erfahrungen, im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, dass ich damit einigen Menschen die Gerüchte und Vorurteile über den künstlichen Darmausgang nehmen konnte.

Dennoch, solange wir in unserer Gesellschaft immer wieder miterleben müssen, dass Behinderungen zu Benachteiligungen und negativen Reaktionen führen, halte ich diese persönliche Information für absolut schützenswert und es muss in unserer Hand liegen, wem wir davon erzählen und wem nicht.

Viele Grüße,
Christian

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BeitragVerfasst: 13.01.2019, 20:04
von Merlina
Hallo Angie,

nein es war kein Stomaversorger, sondern ein Hilfsmittelversorger. Es war vor meiner Stomazeit, die ebenso sensibel war.

Nein ich lese natürlich keine Absender. Aber ich vermute, ein intelligenter Mensch erfasst - wie es auf meinem Paket war - große oder sogar bunte Buchstaben unbewusst auch automatisch. Und wenn bestimmte Worte vorkommen, geht das Auge automatisch dort hin.

Hauko, zu Deiner Überlegung zu klagen noch eine Anmerkung:
Ich vermute dass Du damit nicht weit kommen wirst und das alles nur viel Stress für Dich bedeuten würde. Du würdest Deinen Ärger lange Zeit immer aufrecht erhalten (müssen), um Deine Klage auch eindeutig vertreten zu können.

Aber Du kannst ein paar persönliche Gedanken und kritische Anmerkungen an die Geschäftsführung senden, mit der Bitte um Weitergabe im Unternehmen. Dabei geht es keinesfalls darum einzelne Mitarbeiter anzuschwärzen, sondern das Unernehmen für diese Fragen zu sensibilisieren.

Du würdest damit auch kundtun, dass Stomaträger keine hinfälligen, übelriechenden, halbwegs demente, betreuungsbedürftige und nichts-mehr-merkende Wracks sind....sondern mitdenkende, kritische Menschen jeder Altersstufe die ganz normal im Leben stehen...und die sich als Kunden (wenn hoffentlich weiter möglich) bewusst für oder gegen einen Versorger entscheiden, und damit die Arbeitsplätze und das gute Image des Versorgers sichern.

LG, Merlina

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BeitragVerfasst: 13.01.2019, 20:11
von Monsti
Hallo Christian,

Diese Entscheidung wurde Hauko einfach so weggenommen und das ist nicht ok.


Auch wenn es sich bei der Informationsweitergabe nur um eine nahegelegene Apotheke (mit Schweigepflicht) handelte? Ich denke, der Versorger wollte sein Versäumnis nur möglichst schnell und unbürokratisch wieder gutmachen. Ich wäre einfach nur dankbar gewesen, vor allem bei dringendem Bedarf. Aber ich merke schon, dass das ganz unterschiedlich gesehen wird.

LG Angie

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 21:09
von Webkänguru
Hallo Angie,

ja auch dann. Und ich persönlich wäre an Haukos Stelle auch generell gerne vorab darüber informiert worden, wie denn der Versorger plant das Versäumnis nachzuholen.

Viele Grüße,
Christian

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 21:56
von Merlina
Hallo Angie,

das ist auch das, was ich meine. Es kann 100 x nett gemeint gewesen, und zum Vorteil des Betroffenen. Es hat auch nichts mit Undankbarkeit zu tun, wenn jemand diese Indiskretion moniert.
Es sind die Daten eines anderen, und die müssen zwingend diskret behandelt werden.

Wenn jemand für einen anderen denkt, und positiv in seinem Sinne zu handeln glaubt, auch das zählt nicht.
Für den anderen Menschen könnte das vermeintlich positive Handeln von Außen nicht erkennbare dramatische Folgen haben.
Niemandem steht es zu, für eine Dritten Entscheidungen über seinen Kopf hinweg zu treffen.

LG, Merlina

Datenschutz - Umgang mit sensiblen Infos wie Stomaträger

BeitragVerfasst: 13.01.2019, 22:02
von Hauko
Danke für Eure vielseitigen Meinungen. Ganz richtig, I C H möchte entscheiden, wem ich davon erzähle, das hat nichts mit Schämen zu tun, meine Stomatherapeutin rief mich an und hätte mir sogar etwas vorbeigebracht - das wäre doch eine Lösung gewesen. Außerdem finde ich, dass es derzeit mit der "Nichteinhaltung" von Datenschutz schlimmer ist als zuvor. Überall wird man "durchschaut: beim Bezahlen an der Kasse mit EC-Karte gehts doch schon los, aber diese Entscheidung habe selbst in der Hand. Ich hoffe, dass ich die angedachte Abschaffung des Bargeldes nicht mehr erlebe. Hauko