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Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen – Seite 2

Das Forum zum Erfahrungsaustausch rund um sozialrechtliche Themen, z.B. zur Schwerbehinderung, zum Bezug der Hilfsmittel, zu Zuzahlungen und vielen anderen Themen.

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20 Beiträge • Seite 2 von 21, 2

Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von pia » 05.07.2018, 15:08

Hallo Renate,

Du hast vollkommen recht, ich befürchte nur, das dies die Krankenkassen wenig interessiert.

Es geht immer nur ums Geld, und wieviel davon eingespart werden kann. Der Patient bleibt in allem auf der Strecke.
Und wenn man wie wir aufgeklärt und informiert ist, verärgert es noch mehr.


Was die Einsparungen angeht, befürchte ich schon seit einiger Zeit, das den Kassen etwas anderes einfällt wie sie die Ausschreibungen umgehen können.

Es ist mir , für mein dafürhalten nämlich zu ruhig um das Thema geworden.


Ich sehe es so kommen, das wir für die Pauschale zwar Versorgung bekommen , aber halt irgendeine billige.
Wer damit zurechtkommt hat Glück gehabt.
Wer nicht , muss genau wie es bei den Medikamenten ist, zuzahlen.

Ich frage mich nur, wie sich das mit den immer neue entwickelten Versorgungen verhält.

Die Industrie, nehmen wir nur mal Coloplast ( Beispiel keine Werbung) bringt doch immer neue Platten auf den Markt, um den Patienten den Tragekomfort so perfekt wie möglich zu machen.

Wer kann sich das dann überhaupt noch leisten ? Doch nur wenige von uns.

Manchmal habe ich das Gefühl, nicht nur bei der Versorgung, das wir uns langsam zurück entwickeln.

Die Industrie stellt her, nur leisten kann es sich kaum jemand.


Liebe Grüße

Pia

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pia

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Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von Renni » 05.07.2018, 17:26

Hallo Pia,
deswegen möchte ich mich aktiv in der Stoma-Welt beteiligen.
Ich war mit Christian bei der DAK Hamburg. Wir wurden von 4 Entscheidungsträgern empfangen. Leider haben die Herren keine konkreten Vorstellungen von Stomaversorgung und schlimmer über das Leben mit einem Stoma. Die Krankenkassen haben bei Sozialgerichten Klagen gegen das HHVG eingereicht.
Wie ich mitbekommen habe, will der Gesetzgeber das Gesetz nicht ändern.
In der Coloplast Information " Wendepunkt" ist ein Artikel veröffentlicht mit Links, zu Formbriefe für Widersprüche, gegen Entscheidungen der Krankenkassen.
Wenn meine Krankenkasse mir die Versorgung nicht mehr bewilligt, werde ich erst mal Widerspruch einlegen. Danach beim Sozialgericht Klage einreichen.
Der Wechsel zu einer anderen Krankenkasse sehe ich kritisch. Andere Krankenkassen können jederzeit Verträge nach Ausschreibungen mit Nachversorger abschließen. In den Hamburger Gruppen besteht ein Interesse an der Entwicklung zur Ausschreibungspraxis. Ich gebe Informationen und Veröffentlichungen an die Mitglieder weiter.
Nur ein gut informierter Patient kann für seine Rechte kämpfen. Das Recht nach den Hilfsmittel Richtlinien.
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-13 ... -02-17.pdf


Liebe Grüße Renate

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Renni

Ansprechpartnerin des Stoma-Treff Hamburg-Nord und Hamburg-West

Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von Hauko » 06.07.2018, 18:22

Hallo zusammen, habe die Diskussion mit großem Interesse gelesen und kann nur sagen (bin ebenfalls bei der vielzitierten TK) dass diese derzeit extrem kundenunfreundlich ist. Sie setzen sich nicht mehr für die Patienten ein. Mein Versorger schickt mir trotz arger Beschwerden keinen Therapeuten mehr, schreibe bewusst Therapeut, denn der Begriff Stomatherapeut ist ja nicht einmal gesetzlich geschützt, wie erschreckender Weise viele andere Berufe auch. Sie wollten mir seit mindestens 6Monaten jemanden schicken, nein es klappt nicht. Viele Ärzte sagen eben einfach auch, das kann ihre Stomatherapie für sie erledigen, aber weit gefehlt. Meine TK-Mitarbeiter raten mir, wenn sie mit dem Versorger nicht zufrieden sind, gehen sie zu einem anderen. Aber sicher kommt man hier vom Regen in die Traufe, denke die machen alle keine großen Unterschiede solange die Regierung hier nichts ändert. Aber ich dachte eigentlich bis dato, dass die TK sich mehr rührt für die Patienten, soll eine der besten sein, wer bestimmt dies eigentlich? Gruß Hauko

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Hauko

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Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von doro » 07.07.2018, 09:41

Wen wundert es,wenn auch die TK etwas weniger Kundenorientiert ist.Es ist allerdings schon einige Zeit her,da schwärmte die Bundeswelt vom tollen Service der TK.
Man bekam dort alles was das was das Stomaträger Herz begehrt.
Ich kann mich erinnern,das ich nur auf Zureden meiner Familie bei meiner DAK blieb.

Gut so,denn seit einiger Zeit höre ich nur Klagen :? Speziell über die TK.
Warum sollte diese Krankenkasse auch vom allgemeinen Trent der Sparsamkeit abspringen?
Sicher nicht,weil sie ihre Kunden so liebt.
Das musste ich einfach mal los werden :DD :winke:

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doro

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Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von Renni » 07.07.2018, 10:31

Hallo, ich finde das Thema so brisant für unsere Leben mit einem Stoma.

Ja, Doro, die Krankenkassen sind und bleiben Wirtschaftsunternehmen, früher oder später werden alle versuchen an der Schraube „ Kosten „ zu drehen.

Wie soll es erstmal späteren Patienten gehen, die weniger Zahlungen aus den Sozialkassen erwarten können? Ich als Patient kann vergessen, am Leben teil zu haben (Inklusion), da die Versorgung nicht angepasst und sicher ist!

Als ich aus dem Krankenhaus kam, ist durch die Stomaberatung im Krankenhaus die weitere Begutachtung und Anpassung durch Stomatherapeuten zu Hause, sichergestellt worden.
Ich hatte seit der Operation mehr als ein Nachversorger. Dafür gibt es für die einzelnen Betroffenen viele Gründe.
Die Berater wechseln den Arbeitgeber oder die Versorgungsverträge mit den Krankenkassen ändern sich. Die Begutachtung der Stomaversorgung ist ein intimeres Thema und deswegen muss die Chemie stimmen. Krankenhäuser haben kein geeignetes Entlassungsmanagement. Der Patient muss sich selber eine Fachkraft suchen. Die Stomaanlage ist ungünstig angelegt. Zusätzliche Hautdefekte durch Ernährung oder Medikamentengabe erschweren die Haltbarkeit der Versorgung.

Die Politik hat im Gesetz beschrieben unter welchen Bedingungen die Hilfsmittelversorgung erfolgen soll. Da reicht es nicht aus, in einigen Sätzen zu beschreiben, was und wie der Leistungsträger gedenkt die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Statt bei der Politik zu suchen sollten die Krankenkasse eigene Qualitätskriterien entwickeln.
Ich sehe die Krankenkassen in der Pflicht. Ich behaupte, dass die Entscheider in den einzelnen Kassen nur minimale Kenntnis über die Erkrankungen, Komplikationen und Lebensumständen der Patienten mit Stomata haben. Jede Krankenkasse versucht über den Preis der Stomaversorgungsartikel eine Kostenregulierung des Verbrauches zu erreichen. Vergleichbar bei den Inkontinansmaterialien.
Die Kosten der einzelnen Stomapatienem ist abhängig von der individuellen Lebensform mit
Erkrankungen und Behinderungen und kann sich täglich ändern.
Bestimmte Krankenkasse versucht über Ausschreibungen der Stomaversorgungsartikel eine Kostenregulierung des Verbrauchs zu erreichen.
Wir sind in diesem Geschäft der Spielball.

Liebe Grüße Renate

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Renni

Ansprechpartnerin des Stoma-Treff Hamburg-Nord und Hamburg-West

Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von doro » 07.07.2018, 13:42

Wir wurden von 4 Entscheidungsträgern empfangen. Leider haben die Herren keine konkreten Vorstellungen von Stomaversorgung und schlimmer über das Leben mit einem Stoma.

Da liegt,so denke ich mir,ein Teil der Problematik,denn Stoma ist in den Augen anderer entweder BÄHHH oder Mitleidbonus weil ja sicher eine Krebserkrankung dahinter steckt.So der Gedankengank unseres Gegenübers.
Wie sind alle froh und glücklich, wenn niemand sieht und riecht,das wir Stomaträger sind.Das wir froh sind,wenn unsere Versorgung gut sitzt,wir somit keine Pannen haben.
Das Stoma ist 7ns peinlich und oft wird im Freundes und Bekanntenkreis verschwiegen,das wir ein Stoma haben,man schämte sich seiner Krankheit.

Und damit gehörten wir lange Zeit zur schweigenden Minderheit. ;)

Das hatte zur Folge,das wir ja eigentlich schon eine Rechtfertigung auf den Lippen haben,wenn wir die Toilette mit dem Rollstuhlzeichen benutzen.
Auf jeden Fall ging es mir so.
Wen wundert es,das wir heute dafür eintreten müssen,das wir keine Krankheit haben die peinlich ist und wir uns vor niemenden rechtfertigen müssen,das wir ein Anrecht haben,die Behindertentoilette zu nutzen und ein Recht haben mindestens so eine Versorgung zu erhalten,die uns das Leben ohne bemerkenswerte Einschränkungen, auch in der Öffentlichkeit, ermöglicht.
Auch dann oder gerade dann,wenn wir auf Pflege und Hilfe in Alten und Pflegeheimen angewiesen sind. ( Gerade dort wird seit einiger Zeit die Menge und die Qualität der Inkontinenz Einlagen und die Anzahl der Beutelversorgung sehr,sehr stark rezuziert.)

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doro

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Beitrag von Hanna70 » 07.07.2018, 15:04

doro hat geschrieben:
Und damit gehörten wir lange Zeit zur schweigenden Minderheit. ;)



Leider stimmt hier ein Wort nicht - und zwar "gehörten"! Es müsste heißen "gehören". Denn nach wie vor wehren sich viel zu wenige von uns gegen das, was uns mit minderwertigen und nicht ausreichenden Versorgungen angetan wird.

Hier helfen nur Klagen mit Hilfe eines Anwaltes vor dem Sozialgericht. Und zwar massenweise!!!

Mit Hilfe von aussagekräftigen Einschätzungen der individuellen Situation durch den Hausarzt hat man dabei gute Chancen. Es fordert allerdings sehr viel Geduld und Durchstehvermögen. Aber letztendlich würden verlorene Prozesse die Krankenkassen sehr viel Geld kosten. Deshalb nützt es nichts, wenn nur mal der eine oder andere klagt. Der bekommt dann seinen Gerichtsbeschluss und für ihn hat sich die Sache damit erledigt. Für alle anderen bleibt alles wie gehabt.

Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren!

Die Entscheidungsträger wie auch die Sachbearbeiter der Kassen sind überwiegend betriebswirtschaftlich/kaufmännisch ausgebildet. Und da zählt nur Eines - Überschuss erwirtschaften und dafür Bonusse kassieren.

Die Befindlichkeiten der Patienten stören dabei nur.

Erwartet dabei ernsthaft jemand etwas Positives für uns von unserem Gesundheitsministerium?

Rosi

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Hanna70

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Beitrag von Renni » 07.07.2018, 21:14

Hallo Ihr Lieben,

danke Doro und Rosi für eure Kommentare. Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren!
Für eine Klage beim Sozialgericht braucht man kein Rechtanwalt oder Bevollmächtigten. Die fachlichen Formulierungen des Sozialverbandes Deutschland hat mir und meinem Mann geholfen, erfolgreich zu klagen.

Liebe Grüße Renate

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Renni

Ansprechpartnerin des Stoma-Treff Hamburg-Nord und Hamburg-West

Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von Trineline » 16.07.2018, 18:06

Hallo zusammen,

genauso sehe ich das auch: Wer sich nicht wehrt hat verloren.

Nur nichts gefallen lassen...dann muss man eben vor das Sozialgericht ziehen und oft habe ich erlebt, dass es Wunder wirkt bevor ein Urteil bzw. Titel fällt.

Denn wo ein Titel oder Urteil ist, da kann jeder sich auf diesen Titel in seinem Fall, so denn er ähnlich ist , darauf berufen!!

Liebe Grüße
Trineline

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Trineline

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Wie Krankenkassen mit Hilfsmittelverträgen den Markt umbauen

Beitrag von Hanna70 » 16.07.2018, 23:01

Trineline hat geschrieben:
Denn wo ein Titel oder Urteil ist, da kann jeder sich auf diesen Titel in seinem Fall, so denn er ähnlich ist , darauf berufen!!



Hallo Trineline,

trotzdem muss jeder dieses Urteil bzw. diesen Titel für sich selbst erstreiten. :schlecht: Eben, um keine Präzedenzfälle zu schaffen, bekommt man von den KK dazu keinen schriftlichen Abschlussbescheid. Die Anwälte freuts.

LG Rosi

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Hanna70

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