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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Mit einem Stoma ist das Leben anders, aber nicht weniger lebenswert. Trotzdem stellt es uns vor so manche Herausforderung. Hier ist das Forum für eure Fragen und Erfahrungen zum Alltag mit einem Stoma.
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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Beitrag von Monsti » 01.03.2019, 18:48

Hallo Börgi,

Aber wenn es so klappt wie beschrieben, find ich es eine feine Sache!!!


Dass es so klappt wie beschrieben, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Zudem handelt es sich bei dem Implantat um Titan. Auch wenn es einem Netz gleicht und somit etwas flexibel zu sein scheint, wird man etwas Hartes unter der Bauchdecke spüren - dazu noch der auftragende Stöpsel. Das stelle ich mir ausgesprochen unkomfortabel vor.

Die Bildserie anhand einer Puppe zeigt niemals die Realität. Das geht schon mit Bild zwei los. Wird der Deckel geöffnet, schließt die gestaute Dünndarmbrühe explosionsartig raus. So sauber wie auf dem Bild gezeigt, wird das also ganz bestimmt nicht abgehen.

Im Prinzip ist die Implantat-Lösung ja kaum etwas anderes als die sog. "Kocksche Tasche", die sich aber in der Praxis nicht so gut bewährt hat, dass sie zur Standardlösung wurde. Zudem betrifft das dauerhafte Ileostoma nur einen relativ kleinen Anteil der Ileostomien. Die meisten Ileostomata können heute zurückverlegt werden und werden auch zurückverlegt. Je kleiner die Patentienzahl, desto teurer das System - alter Hut.

Liebe Grüße
Angie

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Monsti

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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Beitrag von doro » 01.03.2019, 19:27

Ich stehe neuen Dingen generell positiv gegenüber.

Der Dünndarm dehnt sich im Laufe der Zeit, wodurch sich ein Reservoir bildet. Wenn sich der Dünndarm dehnt, ist dies sicherlich schmerzhaft.

Aber,kann man davon ausgehen,das mein Dünni sich wie beschrieben dehnt?
Da hätte ich meine Zweifel :?

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doro

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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Beitrag von Butterfly » 01.03.2019, 21:32

Hallo

Ich habe mich auch mit dem Thema beschäftigt, als ich noch glaubte keinen Kurzdarm zu haben und einen zweiten Versuch „Pouch“ wagen zu können. Die Koksche Tasche hat sich aufgrund des Ventilsystems nicht bewährt, da es ein Fremdkörper ist. Sie wird deshalb nur in Warren an der Müritz operiert. Ich habe keine Internetseiten gefunden, die sagen, dass es auch in anderen europäischen Ländern zum Standard gehört (englisch- und französischsprachig).
Ich bin bei meiner Recherche über den BCIR gestolpert, der ist eine Weiterentwicklung des Kock Pouches. Hierbei gibt es keinen implantierten Filter, sondern innen am Ausgang wird eine Dünndarmschlaufe angebracht. Füllt sich der Pouch und damit die Schlinge, wird der Ausgang zugedrückt. Diese OP wird in Köln (Prof. Dr. Krösen) und in den USA im Pasadena Krankenhaus im „Continent Ostomy Center“ durchgeführt. In Köln mit 80% Erfolgswahrscheinlichkeit (Stand 2017, 10 Patienten/Jahr), 20% (2 Patienten) mussten einmal nachoperiert werden. Diese Info gab mir Prof. Krösen. Interessant ist der Kock Pouch, BCIR etc. momentan nur für Patienten, die keinen Schliessmuskel mehr haben und sich gegen den Stomabeutel entscheiden. Pouch muss aber sein, weswegen ich keine Chance mehr habe.
Ich erkundigte mich damals auch bei der Charite, CBF die sagten, dass sie nur zwei Patienten hätten, die nach mehr als 10 Jahren noch damit leben und bei beiden gibt es Schwierigkeiten. Deswegen wird dort nur noch der J-Pouch operiert.

Ich denke auch, ohne Pouch funktioniert ein TIES nicht. Wie soll sich der Darm von selbst so viel weiten können, ohne Schmerzen und Komplikationen? Wenn das funktionieren würde, dann würde man es beim Kock Pouch und BCIR auch so machen. Wer schon mal Stomablockaden hatte und sich das über Wochen oder Monate vorstellt, wird nicht begeistert sein. Wenn also OP und Pouch, dann lieber BCIR. Da ist kein Fremdkörper, die Entleerung funktioniert kontrolliert über Kathederisieren (statt Deckel auf und FLATSCH) und wenn es nicht mehr funktioniert, weil das Dünndarmventil o.ä. verrutscht, dann nimmt man halt wieder einen Beutel.

Lieber Aquamarin, du kannst ja von deinen Erfahrungen berichten, wenn du den TIES implantieren lassen hast. Ich bin gespannt, ob ich meine Meinung revidieren muss - das mache ich dann aber gern.

Bei einem J-Pouch hat man aufgrund des Vernähens von zwei Dünndarmschlaufen ein etwas grösseres Volumen als von zwei Schlaufen (mathematisch im Querschnitt gesehen) und es heisst, dass der sich ebenfalls weitet. Muss er aber nicht. Nach acht Monaten und vielen Schmerzen war meiner eher trichterförmig und hatte nicht mehr die operierte Form - noch war er grösser geworden. Damit, Doro, gibt es keine wirkliche Garantie... Leider.

Viele Grüsse
Butterfly

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Butterfly

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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Beitrag von Börgi » 02.03.2019, 14:53

Hallo Angie,
Beutel am Bauch war auch nicht gerade komfortabel und schon gar nicht schmerzfrei!!! :cry:

Tschüßing!!!!

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Börgi

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Beutel weg, Deckel drauf, fertig!

Beitrag von Josef 46 » 16.01.2021, 18:06

Hallo,

möchte mich auch eben kurz zu Wort melden, ich habe seit 2007 die Kocksche Tasche und habe bis jetzt damit gut gelebt und voll gearbeitet.
Prof. Dr. Ecker ist mittlerweile als Chefarzt in Waren in Rente gegangen, jedoch operiert er noch in verschieden Kliniken Deutschlandweit um die Operationtechnik weiter zu geben.
Prof. Krösen in Köln und auch Frau Prof. Dr. Möslein beherrschen diese Technik.
Wann diese Methode angezeigt ist, dazu muss man sich ausgiebig beraten lassen.

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Josef 46

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