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#behindernisse - Twitter-User reden Klartext – Seite 1

Mit einem Stoma ist das Leben anders, aber nicht weniger lebenswert. Trotzdem stellt es uns vor so manche Herausforderung. Hier ist das Forum für eure Fragen und Erfahrungen zum Alltag mit einem Stoma.
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73 Beiträge • Seite 1 von 81, 2, 3, 4, 5 ... 8

#behindernisse - Twitter-User reden Klartext

Beitrag von Webkänguru » 09.02.2016, 19:06

In der vergangenen Woche sorgte der Hashtag #behindernisse auf Twitter für reichlich Gesprächsstoff. Behinderte Menschen berichten unter dem Schlagwort über Alltagssituationen, durch die sie sich selbst eingeschränkt fühlen. Eine Twitter-Kampagne, in der sich auch viele Personen zu Wort meldeten, die eine im ersten Moment nicht-sichtbare Behinderung haben. So wie wir Stomaträger.

Alles begann mit einer lockeren Diskussion unter einigen Twitter-Nutzern. Sie tauschten sich über Erfahrungen aus, die sie selbst mit ihrer Behinderung im Alltag machen. Passend dazu riefen sie den Hashtag #behindernisse ins Leben und trafen damit ins Schwarze. Zeitweise gab es unter dem Schlagwort über 100 Einträge pro Minute und 160.000 Aufrufe pro Stunde.

Zu Wort meldeten sich auch viele „Nicht-Sichtbare“, also Menschen, denen man ihre Behinderung nicht auf den ersten Blick ansieht. Sie haben vor allem das Problem, dass man sie zuerst als „Normale“ wahr nimmt, wie eine der Initiatorinnen im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk berichtet. Und dann nicht immer ernst genommen werden, wenn sie Ihre Schwierigkeiten im Alltag ansprechen.

Bild

Auch Stomaträgern sieht man ihre Behinderung zunächst nicht an, wir können unseren Beutel am Bauch ganz gut unter der Kleidung verstecken. Und rechnen dann schon ganz automatisch mit schrägen Blicken, wenn das Stoma lautstark grummelt oder man nach einer Einladung zum Abendessen bei Freunden das aufwendig zubereitete Gericht auf dem Teller auseinander sortiert. Dass über das Leben mit einem Stoma in der Öffentlichkeit kaum etwas bekannt ist, macht es nicht leichter solche Situationen aufzulösen, ohne dass ein negativer Beigeschmack bleibt.

Welche "beHindernisse" begegnen euch im Alltag? Antwortet uns direkt hier im Thread.

Viele Grüße,
Christian

PS: der Text erschien heute auch als Beitrag auf Stoma-Welt.de.

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Webkänguru

Moderator

#behindernisse - Twitter-User reden Klartext

Beitrag von Trudi » 09.02.2016, 22:23

Aaaaalso:

Freundti war drei Wochen alt, ich hatte die noch, wegen der Wundheilungsstörung offene, Bauchwunde von oben bis ganz unten.
Wir waren auf der Heimfahrt von Berlin, wo ich operiert worden bin, ins heimische Südbayern, 700km, i.d.R. mit allen Staus gute 10 Stunden!

Freundti bekam die Autofahrt so gar nicht, kannte er ja auch nicht, er war bequemes Rumflezen im Bett gewohnt! Nun Geruckel und Geschüttel auf der A9!
Er maulte und murrte, puffte und zischte und explodierte dann mit einem
gewaaaaaaltigen "Puuuuuuuffffffff-Blubber-Ziiiiiischhhhh!" :aah: :aah: :aah:
Nun kam gerade eine Raststätte in Sich, die mein Gspusi (Freund) umgehend höchst erleichtert ansteuerte! Im Auto verbreitete sich ein nettes Düftchen! :uebel: :uebel: :uebel:

Ich raste in vollem Tempo rein und bat um den Schlüssel fürs Behindertenklo, Freundti puffte und blubberte fröhlich weiter, denn nun hatte er ja richtig viiiiiel Platz! Kein Beutel hielt ihn auf!

Nun ging es aber los:
"Ohne Schwerbehindertenausweis uber 70% lasse ich Sie da nicht rein!"
"Bitte, mein Stoma rebelliert!"
"Das ist Ihr Problem, ich habe meine Anweisungen, Sie sehen gesund aus, nix da!"
"Wissen Sie eigentlich, was ein Stoma ist?"
Freundti blubberte und zischte frohlich und laut vernehmlich weiter!!!
"Nö, interessiert mich auch nicht, SIE KOMMEN NICHT INS BEHINDERTENKLO OHNE DEN AUSWEIS, basta!
Dann hab ich mein Hemdchen gelupft und ihr den nun hochindigniert puffenden und natürlich muffelnden Freundti vorgeführt und angedroht, ihn genau vor ihrem Tresen umzuziehen!
"Na und, ich muss es ja nicht wegputzen!" :ichKannsNichtGlauben: :ichKannsNichtGlauben: :ichKannsNichtGlauben:
Damit hatte die blöde Kuh ja nun leider Recht, denn wegmachen hätte es eine unschuldige Putzfrau müssen!!! Der wiederum wollte ich das nicht antun, also hab ich im normalen Klo ohne Wasser an mir rumgeputzt, mich in der engen Kabine umgezogen. Den rumstehenden Frauen hätte ich das vielleicht ja noch erklären können, einer Schulgruppe kleiner Mädchen, die da auch drin waren wollte ich es nicht zumuten!

Ich hab mich hinterher per e-mail beschwert, die Leitung der Raststätte hat sich seeeeeehr nett entschuldigt und mir einen Essensgutschein geschickt! Ich fürchte aber, dass den nicht die Ziege an der Kasse zahlen musste!

Seitdem habe ich einen Schlüssel und wenn mich wer blöde deswegen anredet, sag ich nur: "Das, was ich habe,wollen SIE sowieso nicht, oder wolln se mal gucken?"
Wollen sie nie!

So, das kommt öfter mal vor, wenn man einen Schlüssel zum Behindertenklo braucht, z.B. im Baumarrkt!
Ich kann es auch verstehen, dass die da nicht jeden einfach reinlassen!
Aber so, wie oben geschildert, ist mir das GsD nur dieses eine Mal passiert!

Ich wünsch euch allen alles Gute!
Und moglicht wenig dumme Leute in eurer Umgebung!

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Trudi

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#behindernisse - Twitter-User reden Klartext

Beitrag von fluse » 11.02.2016, 22:56

Ähnliches ist mir im hbf Nürnberg passiert. Gott sei Dank nicht in so einem besch... Zustand. Habe einen Bebindertenkloschlüssel und der Klomann hoch erbost, wie ich so unberechtigt zu dem Schlüssel komme und wollte den Behindertenausweis sehen. Erst laute und erboste Debatte, dann habe ich meine Hose aufgemacht und den Beutel gelupft und der Typ hat den Rückwärtsgang eingelegt. Aber ich hatte viel mehr Schwierigkeiten und auch Einsamkeit bevor ich mein Stoma hatte: imperativer Stuhldrang und zeitweise Inkontinenz, häufige Übelkeit durch Erkrankung und Medi, Unverträglichkeiten. Man wird sich selber und erst recht anderen zur Zumutung.

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fluse

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#behindernisse - Twitter-User reden Klartext

Beitrag von swen1212 » 21.02.2016, 16:20

Hallo,

eure Beträge finde ich toll; Trudi: deines ist besonders toll geschrieben.
Mit meinem Beutel kam ich noch nicht in Schwierigkeiten, weil ich die meide. Aber ich habe viele meist gute Erlebnisse mit dem Stuhl.
Allgemein nimmt man grundsätzlich Rücksicht auf den Stuhl. Und man freut sich auch, wenn ich selbst auch mal auf andere Rücksicht nehme. Geben und nehmen ist doch eine ganz normale Tugend.

Unter den Menschen funktioniert das. Schlimm nur, wenn Institutionen geradezu behindertenfeindlich sind. Ohne fremde Hilfe ist es nicht möglich, einen ALDI oder Netto-Markt zu betreten, weil die da immer noch dieses Drehkreuz benutzen. Da können sie auch ein Rollstuhlschild draußen an die Tür kleben: "Ich muss draußen bleiben." Sie versuchen es durch Personal zu ändern, aber das ist ein diskriminierender Moment.
Ich kann keine Rente beantragen, weil die Straßenbahnhaltestelle vor der Rentenstelle und alle 2 km davor und danach sowieso trotz Sanierung vor 2 Jahren nicht barrierefrei sind. In der Stadtratsversammlung antwortete man auf die Frage schlicht weg: haben wir vergessen! = Leipzig.
Ein Einkaufscenter im Zentrum am Hbf (Brühl) ist so gebaut, dass auf den großen Freiflächen alle 20 Meter oder so eine Regenrinne den Rollstuhl fast zerstört, wenn man darüber fährt. Dabei hätte man nur ein Siebblech über die Rinnen legen brauchen. Aber das kostet zu viel Intelligenz.

Ich könnte noch tausend Beispiele bringen, wo (und das ist das Dilemma) neue Investitionen
nicht barrierefrei gebaut werden. Mehr will ich gar nicht meckern; es gibt ja auch ne Menge positive Beispiele.

LG Swen.

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swen1212

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#behindernisse - Twitter-User reden Klartext

Beitrag von 1margot2 » 21.02.2016, 16:52

Hallo Swen,
auch ich kann ein Lied davon singen. Wiegesagt leite ich eine Selbsthilfegruppe
und war nach meinem Verkehrsunfall selbst 3 Monate an den Rollstuhl gefesselt.

In unserer Gemeinde hat man die Gemeindewirtschaft umgebaut. Ich habe sofort
schriftlich beantragt, dass man am Eingang keine schweren Türen anbringt, sondern
evtl. selbstöffnende oder zumindest eine Klingel anbringt.
Dann führt von der Gaststätte innen zur Toilette eine Stufe. Auch da bat ich, den
Weg zur Toilette ebenerdig zu gestalten, damit auch Rollstuhlfahrer die Möglichkeit
haben, dorthin zu gelangen.
Auch in den Saal im 1. Stock keine Möglichkeit, dorthin zu gelangen. Da bekam ich nur
zur Antwort: Die Sicherheitskräfte tragen dich schon rauf !!!!!!! :oops:
Und auf meinen Antrag auf diese barrierefreien Erleichterungen hieß es schlicht und einfach:
Es gibt noch mehr Gaststätten im Ort.
Tja, nur haben alle das gleiche Problem.
Zumindest habe ich erreicht, dass die Raiffeisenbank eine Auffahrt geschaffen hat.

Da kriegst nur einen dicken Hals.

Schönen Restsonntag noch und nicht soviel ärgern :x

Margot :winke: :winke:

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1margot2

gesperrtes Mitglied

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Beitrag von swen1212 » 22.02.2016, 02:41

Hallo Margot,

wir sollten auch ein wenig die Kuh im Dorf lassen. All die, (berechtigten) Forderungen müssen ja auch irgendwie bezahlt werden. Und zahlen tut es der sozial versicherte Bürger. - Da ist der Hinkefuss. Wir schaffen "asylante Sklaven", die nix einzahlen, um das Sozialsystem zu entlasten. - Ich meine die Politik, Asylanten unter Mindestlohn zu vergüten. (Nebenbei bemerkt kann man so Harz IV auch noch mehr drücken.) - Eine Win/Win-Situation für Politik und Wirtschaft, nur ned für den H4-Empfänger.

Margot - das Ärgern kommt von selbst. Wenn man einen Dansac probiert, der mit besonders guter Klebewirkung wirbt, und der nach 5 Stunden ein "Scheiss-Dilemma" erzeugt, wo man nicht ergründen kann, warum es passierte, dann ist man verärgert.

Ich habe im TV gesehen, dass jemand Rampen verkauft: eine geile Sache. Das Ding ist zwar sperrig aber gedacht für Einrichtungen, wo mal ein oder 2 Stufen für einen Rollstuhl überbrückt werden müssen. Und es wird, wenn man es mal genutzt hat auch gern angenommen (ich meine seitens der Ladeninhaber).
Margot, mich irgendwo hintragen ist das Allerletzte, was passieren sollte. Wenn es die Gegebenheiten nicht anders erlauben, ist das okay, aber wenn man mich auf Hilfe stellt, weil man zu blöd ist, einen Tunnelbahnhof auch für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen (ich habe nicht mitgezählt wie viele Milliarden neben den Bohrer Leoni in das Projekt geflossen sind = Leipzig Tunnel.), da frage ich mich, ob wir die Intelligenz nicht wirklich nur irgendwo im Universum finden.

Margot, ich wollte nur bemerken, welche Blödiane dir eventuell begegnen, während du so tolle Arbeit leisten willst und tust. Und ich habe mich noch nie mit einer Bank angelegt.

..... Ich bin gerade auf eine Idee gekommen: ein Roman / Geschichte: < Das Ei >
Das steckt so ziemlich alles drin, was ich von dieser Welt halte, erhoffe und erlebe. Das "Ei" endet tragisch.

Mit dir plaudert es sich gut, Margot. LG Swen.

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swen1212

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Beitrag von Börny » 22.02.2016, 05:09

Lebte noch bis vor 6 Jahren in einer Großstadt.....und fand es ätzend.....wenn ich in der Stadt zu Fuß unterwegs war.....eine Toilette mehrmals aufsuchen mußte......um mein Bedürfniss sprich Beutelentleerung.....tätigen zu dürfen....denn jedesmal kamen schwere Diskussionen mit dem davor sitzenden Wächter....wenn es um die Entlohnung seiner Dienste.....ging.....
Wenn man sich jetzt überlegt.....daß wenn man dann 2 - 3 Toilettengänge braucht 1,00 Euro - 1,50 Euro bezahlen müßte....sind das immerhin auch im Monat zwischen 20 Euro - 25 Euro......

Möchte kurz noch einen Vorfall mit einem bezahlbaren Drehkreuz schildern........Hatte damals ...es war am Anfang meiner Krebskarriere....noch einen Colostomieausgang....und trug noch geschlossene Beutel....Ich war mit einem Zug unterwegs und kam an einem großen HBF an....und bemerkte das sich mein Beutel immer mehr füllte.....Ich also.....in die Bahnhofstoilette......Drehkreuz.....kein Kleingeld...keine Toilettenfrau....kein weiterer Kunde.....Ich also wieder raus....erreichte noch den Hinterausgang des Bahnhofes.....Panik...und schmiß meinen gefüllten Beutel in eine Ecke der wiederrum wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon explodierte .

Gott sei Dank...stand dann noch ca. 10m entfernt ein Rettungswagen.....der mich dann mit Kompressen versorgte und ging dann die letten 100m nach Hause...

Heute habe ich keine Hemmungen mehr.....meine Greencard vorzuzeigen.....geschweige über ein Drehkreuz verbotener Weise zu klettern. Da könnte ich auch noch eine Geschichte vom Kölner HBF erzählen...würde aber den Rahmen sprengen.....

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Börny

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Beitrag von 1margot2 » 22.02.2016, 11:30

Hallo,

nur mal eine Frage, wieso versuchst du alles, um auf eine Toilette zu kommen ?
Hast du keinen Toilettenschlüssel für die Behinderten-Toilette ? Der kostet ca.
25,00 € (Schwerbeh.Ausweis kopieren und mitschicken bei Bestellung) und dann
kannst du weltweit auf die Toilette. Er paßt in Österreich, Kroatien und überall.

so einfach.

Versuch es einmal.

Lg Margot

PS. Gegen Vorlage deines Ausweises bekommst du auch den Schlüßel an jeder Theke
und mußt auch nichts bezahlen.
Funktioniert einwandfrei !!!!!

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1margot2

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Beitrag von Börny » 22.02.2016, 15:44

Man müßte auch erstmal bei einer dringenden Notdürftigkeit.......finden.......In der Großstadt Duisburg kannte ich eine....und die war gerade am Innenhafen....Ich kenne die Schlüssel von Raststätten....wüßte aber noch nicht mal ....hier in Hilden...wo es so eine Toilette geben würde...Oh doch....ich glaube am Rathaus.....das wars aber.....

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Börny

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Beitrag von Hanna70 » 22.02.2016, 17:05

Hallo Börny,

den Euroschlüssel für Behindertentoiletten kann ich Dir nur wärmstens empfehlen. Einmal 25 Eus gezahlt und Du sparst ein Leben lang bei der Toilettennutzung. ;)

Mit dem Schlüssel zusammen kannst Du auch eine Broschüre bestellen (kostet, glaube ich aber noch mal 7,50 €), in der sämtliche öffentlichen Behindertentoiletten in Europa vermerkt sind.

Mal abgesehen von allen anderen misslichen Umständen - die Behindertentoiletten sind geräumig, haben große Abfallbehälter, Wasser eben nicht nur außerhalb der Kabine und sind meist wirklich sauber. :gut:

LG Rosi

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Hanna70

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